Neubau Leibniz-Rechenzentrum


    Als Zentrum für wissenschaftliches und technisches Hochleistungsrechnen dient das Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften allen bayerischen Universitäten sowie Hochschulen und ist zugleich Betreiber eines Bundeshöchstleistungsrechners. Ausgelöst wurde der Neubau durch die beengten Raumverhältnisse und die mangelnden Erweiterungsmöglichkeiten am bisherigen Standort in der Innenstadt im Bereich des TU Hauptgeländes. Die Wahl fiel auf den Standort Garching, zum einen, weil sich hier eine bayernweit einmalige Konzentration hochrangiger wissenschaftlicher Einrichtungen vom Forschungsreaktor über eine Vielzahl von Fakultäten der TU München bis hin zu den Instituten der Max-Planck-Gesellschaft angesiedelt haben, zum anderen, weil die unmittelbare Nachbarschaft zur ebenfalls neu errichteten Fakultät für Mathematik und Informatik der TU München erhebliche Synergieeffekte versprach. Das städtebauliche Konzept des Büros Herzog + Partner trägt der hohen Bedeutung des LRZ für den Wissenschaftsstandort Garching Rechnung: War das Atom-Ei Symbol für das wissenschaftliche Arbeiten in Garching in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, so ist der signifikante Rechnerwürfel am Tor zum Campus das neue semantische Zeichen für den ungeheueren Stellenwert der Informatik für die gesamte Wissenschaft. Die drei Grundfunktionen Großrechner, Institutsgebäude und Unterrichtstrakt bilden sich im Entwurf klar in selbständigen Baukörpern ab. Ihre Strukturen entsprechen den Anforderungen an die jeweilige Nutzung und sie bilden bei aller Differenzierung ein klar ablesbares Gesamtensemble. Der Rechnerwürfel kann nach Westen erweitert werden, so dass allen künftigen Entwicklungen Rechnung getragen werden kann. Ein komplexes energetisches Gesamtkonzept gewährleistet einen möglichst sparsamen Einsatz an Primärenergie. So ist der Neubau des LRZ ein wichtiger Meilenstein für die Weiterentwicklung des Wissenstandsstandortes Garching und bietet alle Voraussetzungen für die Bewerbung als europäisches Rechenzentrum.



    Der Neubau wurde mit einer umfangreichen technischen Gebäudeausrüstung ausgestattet. Für die Kühlung der Rechner- und Technikräume steht eine Kälteleistung von 2.900 kW zur Verfügung. Der modulare Aufbau des Kühlsystems vereinfacht eine spätere Leistungsanpassung bzw. Erweiterung. Er ermöglichte es dem Nutzer, im Hinblick auf die rasante Entwicklung der Rechnertechnik relativ spät zu entscheiden, welche Kälteleistung er definitiv installieren musste. Der Volumenstrom der Lüftungstechnik beträgt insgesamt rund 750.000 m3/h. Davon entfallen allein auf den Höchstleistungsrechnerbereich 450.000 m3/h. Bei niedrigen Außenlufttemperaturen wird die Kälteerzeugung auf freie Kühlung umgeschaltet. Dadurch ergibt sich eine erhebliche Betriebskosteneinsparung. Die Basisversorgung mit Wärme erfolgt über eine Anbindung an das campuseigene Fernwärmenetz. Zusätzlich ist eine Kältemaschine als kombinierte Heiz-/Kühlmaschine ausgeführt. Darüber hinaus sind in die Rückkühlkreisläufe der Kälteerzeugung Wärmetauscher eingesetzt, so dass die Abwärme des Höchstleistungsrechners zu Heizzwecken wieder verwendet werden kann. Für den Sachschutz des sehr teuren Höchstleistungsrechners und der Technikbereiche sind aufeinander abgestimmte Gas- und Wassernebel-Löschanlagen installiert. Die Anlagenauslösung erfolgt über die Brandmeldeanlage (zweimelderabhängige Brandfallsteuerung) oder von Hand. Die Stromversorgung geschieht über das 20 kV - Mittelspannungsnetz des Hochschulgeländes. Der Neubau LRZ hatte die Baumaßnahme „Erschließung Garching“ zur Folge. In dieser Maßnahme wurden die Netzstruktur des Normalnetzringes sowie die Ersatzstromversorgung neu aufgebaut bzw. verstärkt. Für das Normalnetz stehen derzeit vier 1600 kVA - Transformatoren und für das Ersatznetz zwei 630 kVA - Transformatoren zur Verfügung. Die Anbindung an die Versorgungsnetze erfolgt über jeweils zwei von einander getrennte Gebäudezuführungen. Für die Kompensation von Störungen im Stromversorgungsnetz, die Auswirkungen auf den Rechnerbetrieb haben können, werden unterbrechungsfreie Stromversorgungsanlagen (USV) eingesetzt. Es werden zwei USV-Gruppen unterschieden: Verbrauchernetz mit einer Überbrückungszeit von ca. 15 sec: Die angeschlossenen Systeme werden bei Netzausfall kontrolliert heruntergefahren. Zu dieser ersten Gruppe zählen der Höchstleistungsrechner, das Daten- und Archivierungssystem sowie die zugehörige Klimatechnik. Für diese Gruppe wird eine dynamische USV verwendet, die aus drei Blöcken mit einer Leistung von je 1,1 MVA besteht. Als Energiespeicher werden rotierende Schwungmassen genutzt. Verbrauchernetze mit einer Überbrückungszeit von mehreren Stunden oder Tagen: Die USV überbrückt die Startphase der Notstromaggregate für maximal 7 min. Zu dieser zweiten Gruppe gehören die kritischen Verbraucher der Netz- und Servertechnik, die Gebäudeautomation, die Leitwarte sowie die Netzwerkschränke für die aktiven Komponenten der EDV und Telekommunikation. Hier kommt eine statische USV aus drei Blöcken mit einer Leistung von je 120 kVA zum Einsatz. Als Energiespeicher dienen Bleibatterien


    Bauherr: Freistaat Bayern, Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst
    Projektleitung: Staatliches Bauamt München 2
    Entwurf und Planung: Herzog + Partner, Architekten BDA
    Bauleitung, Ausschreibung: IMP Ingenieure GmbH
    Tragwerksplanung: Herrschmann, Ingenieurbüro Tragwerksplanung, Schmidt & Vandera, Beratende Ingenieure für Bauwesen
    Freianlagen: Lex-Kerfers, Landschaftsarchitekten BDLA
    Kunst am Bau: Stephan Huber, Rainer Wittenborn
    HLS-Planung: Climaplan GmbH, Ingenieure für Versorgungstechnik
    E-Planung: IEP, Ingenieure Elektroplanung

    Baukosten: 45,2 Mio. Euro
    HNF: 5.596 qm

    Baubeginn: 01. November 2003
    Stand der Maßnahme: Übergabe des Rechnergebäudes im Dezember 2005
    und des Instituts- und Hörsaalgebäudes im April 2006

    Fotos: Christoph Rehbach, Atelier Hohenwart